Mein Tag in Zeiten von Corona - 8

08.05.2020

 Das Interview mit Manuel Klein führten wir Anfang Mai 

Immer wieder neue Schulmails, Arbeit und Betreuung der eigenen Kinder in Einklang bringen… Herausforderungen, die viele von uns aktuell erleben. Mit Manuel Klein, VBE-Kandidat für den Hauptpersonalrat Gymnasium, sprachen wir am 6. Mai über seinen Alltag in Zeiten von Corona.

Manuel Klein

Manuel Klein

Sh: Wie erleben Sie die aktuelle Situation?

Manuel Klein: Wie alle als sehr außergewöhnlich. Dass ein ganzes Land so auf die Bremse tritt, ist eine völlig neuartige Situation, die logischerweise verunsichert. Wie in allen Sektoren ergeben sich in der Schule zahlreiche Fragen - gerade nach der gestrigen Ankündigung, ab dem 11. Mai alle Jahrgangsstufen tageweise wieder in die Schule zu holen.1
Wie soll das 'rollierende System' konkret aussehen? Und da ich an meiner Schule daran mitarbeite: Wie soll innerhalb kürzester Zeit (eine halbe Woche!) ein neuer und gleichzeitig neuartiger Stundenplan für alle Stufen erstellt werden? Normalerweise arbeiten wir daran im Sommer einige Wochen, aber dann mit Rahmenbedingungen, mit denen wir mehr Erfahrung haben als mit den jetzigen. Mit dieser Terminsetzung scheinen mir die politisch Verantwortlichen vor allem ihre 'Linie', die sie seit einiger Zeit demonstrieren, durchsetzen zu wollen und dabei zu vergessen, dass die Schulen rechtzeitige, gut abgesprochene Informationen und Vorbereitungszeit benötigen. Immerhin hat die Ministerin angekündigt, den einzelnen Schulen die Freiheit zu lassen, den neuen Unterrichtsbetrieb nach ihren eigenen Möglichkeiten umzusetzen, das kann je nach personellen Ressourcen ja auch bedeuten: zu begrenzen. Inwieweit werden sich Schulleitungen das trauen, wenn andere Schulen in der Umgebung besser dastehen oder das zumindest von der Öffentlichkeit so wahrgenommen wird? Und zum Schulalltag: Wie wird es vor allem den jüngeren Schülerinnen und Schülern gelingen, Abstand zu halten? Wann und wie oft werde ich selbst meine 5. Klasse wiedersehen? Und privat: Wie werden meine Frau, die Lehrerin an einer Grundschule ist, und ich wohl in Kürze eingesetzt sein und wird sich die Betreuung unserer eigenen Kinder (3 und 5 Jahre alt) organisieren lassen, wenn ihre Eltern nicht mehr im Home Office zu Hause sind?

Sh: Wie gehen Sie damit um?

Klein: Mit dem Home Office der letzten Wochen konnten wir noch ganz gut umgehen. Da wir unsere Zeit mehr als sonst selbst einteilen konnten, außer bei fest terminierten Video-Konferenzen, konnten wir uns mit der Kinderbetreuung abwechseln. Mein Arbeitszimmer habe ich an den Wohnzimmertisch (neben die Spielecke) geholt, um gegebenenfalls auch beides parallel zu versuchen, Arbeit und Kinder, was häufig überraschend gut geklappt hat. Durch Einsätze meiner Frau in der Notbetreuung an ihrer Schule und durch die "Prüfungsvorbereitung" an meiner Schule, d.h. den Unterricht der Abiturienten und Abiturientinnen, zu dem ich seit Ostern wieder an zwei Tagen pro Woche in der Schule war, wurde es schon enger. Wie sich die Situation für uns ab kommender Woche verändert, darauf bin ich sehr gespannt.

Sh: Welche Tipps haben Sie für den Berufsalltag?

Klein: Für die jetzt beginnende Phase der Schulöffnung für alle fällt mir das nicht leicht: Zunächst einmal, sich darauf zu freuen, wieder mehr Schüler/innen und Kolleg/innen in natura zu begegnen. Außerdem, sich zu überlegen, welche Rahmenbedingungen man für sich selbst für notwendig hält, um sich sicher im neuen Berufsalltag zu fühlen, z.B. was Hygieneregeln angeht, was pädagogische Fragen angeht, Fragen die Schüler und Eltern an uns haben werden und schon haben, und hierzu Antworten von der Schulleitung einzufordern und Einigkeit innerhalb der Schule zu erreichen. Das stärkt einen schon in normalen Zeiten und wird jetzt besonders nötig.

Sh: Was bedeutet das für den eigenen Alltag?

Klein: An meiner eigenen Schule habe ich bis jetzt zum Glück erlebt, wie die eben genannten Dinge ziemlich gut funktionieren können. Ich weiß aber, dass das nicht überall so ist. Daneben sehe ich den kommenden Wahlkampf für die Personalratswahl als Herausforderung. Wir haben die Idee, in möglichst viele Schulen in der Umgebung hineinzugehen, nicht aufgegeben, aber es wird anders aussehen, als wir uns es bis vor Kurzem vorgestellt haben.

Text: Sh

1Zum Zeitpunkt des Interviews war der 11. Mai als Startpunkt bekannt. Alle Interviews dieser Reihe sind stets eine Momentaufnahme.

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