VBE: Haushalt 2027 könnte den Einstieg in einen Paradigmenwechsel markieren
03.11.2026
Anlässlich der heutigen Anhörung zum Haushaltsplan 2027 fordert die Bildungsgewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW, sinkende Schülerinnen- und Schülerzahlen als Chance für bessere Lernbedingungen zu nutzen. Dort, wo die Zahlen zurückgehen, sollten die Stellen nicht eingespart, sondern im System belassen werden.
Die Schüler-Lehrer-Relationen, die der Berechnung der Grundstellen zugrunde liegen, bleiben unverändert. Damit führt eine demografische Entlastung rechnerisch zunächst zu einem geringeren Stellenbedarf, statt zu besseren Rahmenbedingungen. Hier muss ein Umdenken einsetzen. Frei werdende Spielräume müssen für kleinere Klassen und Lerngruppen genutzt werden. Sie schaffen mehr Zeit für individuelle Förderung und Beziehungsarbeit.
Wibke Poth, stellvertretende Landesvorsitzende des VBE NRW
Konkret zeigt sich dies im Haushaltsentwurf 2027 an öffentlichen Grund- und Hauptschulen: Weil für beide Schulformen mit weniger Schülerinnen und Schülern gerechnet wird, die Schüler-Lehrer-Relationen aber unverändert bleiben, sinkt der berechnete Grundstellenbedarf. An den Grundschulen sind deshalb für 2027 nur noch 32.519 Grundstellen vorgesehen gegenüber 32.910 im Haushaltsansatz 2026.
Unbesetzte Stellen dürfen nicht zum Sparmodell werden
„Haushalterisch vorhandene, aber mangels Bewerberinnen und Bewerbern nicht besetzbare Lehrerstellen dürfen nicht zum Sparmodell werden. Die dafür vorgesehenen Mittel müssen dem Schulsystem erhalten bleiben und für Entlastung und Unterstützung eingesetzt werden“, fordert Poth.
Qualität des Ganztags erhöhen
Beim Ganztag erkennt der VBE NRW den Ressourcenzuwachs an. Entscheidend ist jedoch, dass der quantitative Ausbau mit einem qualitativen Ausbau verbunden wird. „Ein bereitgestellter Ganztagsplatz ist nicht automatisch ein guter Ganztagsplatz. Ganztagsbildung benötigt qualifiziertes Personal, geeignete Räume, verlässliche Qualitätsstandards und Zeit für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Professionen“, erklärt Wibke Poth.
Multiprofessionalität ausbauen
Die Herausforderungen moderner Schule können nicht allein durch Lehrkräfte bewältigt werden. Sozialpädagogische Fachkräfte, Schulsozialarbeit, Schulpsychologie, IT-Fachkräfte und weitere Professionen müssen selbstverständlicher Bestandteil schulischer Teams werden. Multiprofessionalität darf dabei nicht als Ersatz für fehlende Lehrkräfte verstanden werden. Der VBE NRW fordert einen dauerhaften und verlässlichen Ausbau multiprofessioneller Teams und Systemzeiten für Kooperation und Schulentwicklungsarbeit.
Verlässliche Strukturen schaffen
Wie wichtig eine langfristige Absicherung ist, zeigt das Startchancen-Programm: Die dort ausgewiesenen 923 Stellen für Schulsozialarbeit und multiprofessionelle Teams sind aufgrund ihrer Finanzierung aus Bundesmitteln mit einem kw-Vermerk („künftig wegfallend“) zum 31. Dezember 2029 versehen. „Schulentwicklung und Beziehungsarbeit benötigen Kontinuität. Deshalb muss frühzeitig geklärt werden, wie die aufgebauten Strukturen langfristig abgesichert werden können“, fordert die stellvertretende Landesvorsitzende des VBE.
Die Chance zur strukturellen Verbesserung nutzen
Wibke Poth erklärt abschließend: „Die mögliche Entspannung des Lehrkräftemangels in den kommenden Jahren darf nicht als Sparpotenzial verstanden werden. Der Haushalt 2027 sollte beginnen, die Chance auf bessere Rahmenbedingungen vorzubereiten. Die entscheidende Frage darf nicht lauten, wie viele Stellen aufgrund sinkender Schülerzahlen eingespart werden können. Sie muss lauten: Wie können wir die vorhandenen Ressourcen nutzen, damit aus weniger Mangel endlich mehr Zeit für gute Bildung wird?“
Weiterführende Links:
Lesen Sie hier die vollständige Stellungnahme des VBE zum Gesetz über die Feststellung des Haushaltsplans des Landes Nordrhein-Westfalen für das Haushaltsjahr 2027.
Auch die Modellrechnung der Kultusministerkonferenz macht deutlich: Der künftige Lehrkräftebedarf hängt nicht allein von der Entwicklung der Schülerzahlen ab, sondern auch von politischen Vorgaben, etwa zur Klassengröße. Sinkende Schülerzahlen müssen deshalb als Chance genutzt werden, diese Rahmenbedingungen zu verbessern.
Starke Bildung. Starke Menschen.
