Anhörung zur Lehrkräfteausbildung (29.04.2026)
Anlässlich der heutigen Anhörung im Ausschuss für Schule und Bildung sowie im Wissenschaftsausschuss bezieht der Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) Stellung zu den vorgelegten Änderungen im Lehrerausbildungsgesetz (LABG), der Lehramtszugangsverordnung (LZV) sowie zum Antrag der SPD-Fraktion zur Neuausrichtung des Lehramtsstudiums.
„Die angedachten Neuerungen enthalten zwar positive Impulse, dennoch werden zentrale Voraussetzungen für eine nachhaltige und professionelle Lehrkräftebildung nicht ausreichend berücksichtigt. Lehrkräftebildung braucht Zeit, professionelle Begleitung in allen drei Phasen und gute Lehr- und Lernbedingungen in unseren Schulen“, erklärt Stefan Behlau, Vorsitzender des VBE NRW.
Demokratiebildung braucht Ressourcen
Positiv bewertet der VBE NRW unter anderem die stärkere Verankerung der Demokratiebildung sowie den Ausbau der Praxisanteile im Studium. Gleichzeitig verweist der Verband auf notwendige Voraussetzungen für eine wirksame Umsetzung. „Demokratiebildung benötigt klare Leitlinien, ausreichend Zeit sowie personelle Ressourcen, um mehr als ein symbolischer Anspruch zu bleiben“, macht Stefan Behlau deutlich.
Die Ausweitung der Praxisphasen sei nur unter bestimmten Bedingungen zielführend. Stefan Behlau, Vorsitzender des VBE NRW, betont: „Praxisphasen wirken stark, wenn sie vorbereitet, intensiv begleitet und systematisch ausgewertet werden. Ohne diese Voraussetzungen besteht die Gefahr, dass Praxis nicht professionalisierend wirkt, sondern vor allem Belastungen verlagert.“
Im Bereich der Sonderpädagogik sieht die Bildungsgewerkschaft Risiken. Die Reduzierung auf ein Fach könne zu einer Verengung des fachlichen Profils führen und werde den Anforderungen heterogener Förderschulen nicht in jedem Fall gerecht.
Die Einführung von „Deutsch als Zweitsprache“ als alternatives Fach bewertet der VBE NRW hingegen als sinnvolle Maßnahme, die jedoch eng begleitet und regelmäßig überprüft werden müsse.
Einordnung des SPD-Antrags
Den Antrag der SPD-Fraktion bewertet der VBE NRW als wichtigen Beitrag zur aktuellen Debatte, sieht jedoch zentrale Punkte kritisch. Der Antrag konzentriert sich vor allem auf das Lehramtsstudium und dessen Verzahnung mit dem Vorbereitungsdienst.
„Die Lehrkräftebildung ist grundsätzlich dreiphasig angelegt und muss als kontinuierlicher Professionalisierungsprozess verstanden werden. Eine Reform, die sich im Kern auf strukturelle Veränderungen zwischen erster und zweiter Phase konzentriert, bleibt unvollständig“, so Behlau.
Auch die Annahme, dass mehr Praxis automatisch zu besserer Ausbildung führe, greife zu kurz. Praxisphasen müssten qualifiziert eingebettet und professionell begleitet werden, um ihren vollen Wert zu entfalten.
Zudem weist der VBE NRW darauf hin, dass der Lehrkräftemangel nicht primär auf Studienstrukturen zurückzuführen sei. „Angemessene Lehr- und Lernbedingungen in den Schulen sind die beste Werbung für unser Berufsfeld. Wenn die Bedingungen stimmen, wird dieser wundervolle Beruf auch wieder attraktiver für junge Menschen“, erklärt Behlau.
Fazit
Der VBE NRW unterstützt grundsätzlich das Ziel, die Lehrkräftebildung weiterzuentwickeln. „Entscheidend ist jedoch, die Qualität der Ausbildung konsequent zu sichern und Lehrkräftebildung als durchgängigen Professionalisierungsprozess zu verstehen. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen in den Schulen verbessert werden. Nur so kann es gelingen, junge Menschen für das Studium und den Beruf zu gewinnen und langfristig im System zu halten“, sagt Stefan Behlau, Vorsitzender des VBE NRW.
Weiterführende Informationen:
Die vollständige Stellungnahme des VBE NRW
Starke Bildung. Starke Menschen.
