VBE Bezirksverband Detmold im Austausch mit CDU-Generalsekretär Dr. Carsten Linnemann (Juni 2026)
Paderborn. Wie kann Bildungspolitik den aktuellen Herausforderungen an den Schulen besser begegnen? Welche Erwartungen haben Lehrkräfte an die Bundespolitik – und welche Antworten gibt es darauf? Über diese und weitere Fragen sprachen die beiden Bezirksvorsitzenden des VBE Bezirksverbands Detmold, Maren Dürrfeld (Bad Driburg) und Friederike Koltermann (Espelkamp), gemeinsam mit Thorsten Franz, Mitglied des Landesreferats Hauptschule und verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit des Bezirksverbands, bei einem Gespräch mit dem CDU-Generalsekretär und Bundestagsabgeordneten für den Kreis Paderborn, Dr. Carsten Linnemann, in der CDU-Kreisgeschäftsstelle in Paderborn.
Im Mittelpunkt des Austauschs standen die aktuellen Herausforderungen des Bildungswesens. Gleich zu Beginn stellte Friederike Koltermann die landesweite VBE-Aktion „Dauerbaustelle Bildung“ vor. Anhand konkreter Beispiele schilderte sie die Situation an vielen Schulen: Lehrkräftemangel, zu große Klassen sowie die zunehmend anspruchsvoller werdenden Anforderungen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern sowie deren Eltern.
Linnemann zeigte Verständnis für die Anliegen des der Bildungsgewerkschaft. „Schulen brauchen Unterstützung und die personelle Ausstattung muss passen“, betonte der CDU-Politiker. Er teile die Auffassung des VBE, dass den Schulen an vielen Stellen das notwendige Personal fehle. Dabei hob er die Bedeutung von Integrationskräften und Schulsozialarbeitern hervor. Präventive Arbeit sei enorm wichtig, um Probleme frühzeitig aufzufangen und Schulen nachhaltig zu entlasten.
Auch grundsätzliche Fragen der Bildungspolitik wurden diskutiert. Linnemann sprach sich dafür aus, Bildung stärker als nationale Aufgabe zu verstehen und bundesweit einheitliche Standards anzustreben. Bundesbildungsministerin Karin Prien kämpfe für dieses Ziel auch innerhalb der Kultusministerkonferenz. Gleichzeitig räumte er ein, dass entsprechende Veränderungen „sehr zäh und langwierig“ seien. Denn Schulpolitik sei in erster Linie Landespolitik.
Ein weiteres Thema war die zunehmende Gewalt gegen Lehrkräfte. Maren Dürrfeld schilderte die wachsende Belastung vieler Kolleginnen und Kollegen durch respektloses oder sogar aggressives Verhalten. Linnemann: „Diese Entwicklung dürfen wir auf keinen Fall hinnehmen. Hier fehlt es an Respekt und bei solchen Vorfällen muss der Staat hart durchgreifen“, stellte er unmissverständlich klar.
Thorsten Franz, der sich seit vielen Jahren in unterschiedlichen Funktionen mit der Beschulung neuzugewanderter Kinder und Jugendlicher beschäftigt, sprach die geplanten Änderungen des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) an.

Nach den aktuellen Planungen der Europäischen Union könnten neuzugewanderte Kinder und Jugendliche künftig deutlich schneller den Regelschulen zugewiesen werden. Franz verwies dabei auf die erfolgreichen Konzepte der Sprachförderung, die in den Bundesländern etabliert wurden und sich in der Praxis bewährt haben.
Linnemann zeigte sich in dieser Frage klar positioniert: „Ich bin froh, dass es diese Sprachvorbereitung gibt und finde es gut, dass NRW bei diesem Thema weiter Druck macht.“ Sprachförderung sei ein wesentlicher Bestandteil erfolgreicher Integration und gehöre daher in den Mittelpunkt.
Auch die Verbeamtung von Lehrkräften kam zur Sprache. Maren Dürrfeld thematisierte die unterschiedlichen Beschäftigungsbedingungen innerhalb der Kollegien. Linnemann verwies darauf, dass die Verbeamtung grundsätzlich kontrovers diskutiert werde. Die Ungleichbehandlung zwischen verbeamteten und tarifbeschäftigten Lehrkräften empfinde er persönlich als problematisch. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Ausgestaltung des Beamtenrechts für Lehrkräfte in die Zuständigkeit der Länder falle.
Als Vertreter des Landesreferats Hauptschule nutzte Thorsten Franz die Gelegenheit, Linnemanns Einschätzung zum gegliederten Schulsystem einzuholen. Der CDU-Generalsekretär äußerte sich dabei deutlich zur Entwicklung der vergangenen Jahre. „Es war ein Fehler der Politik, die Hauptschulen zu degradieren. Dies hat leider zu einem schlechten Ruf für diese wichtige Schulform beigetragen.“ Jeder junge Mensch habe unterschiedliche Stärken und Bedürfnisse, denen das Bildungssystem gerecht werden müsse. „Man sollte jeden Menschen so nehmen, wie er ist, und dementsprechend individuell fördern“, so Linnemann.
Zum Abschluss des Gesprächs weitete sich der Blick über die Bildungspolitik hinaus auf die gesellschaftliche Entwicklung insgesamt. Linnemann warb für mehr Zuversicht und einen konstruktiveren gesellschaftlichen Umgang miteinander. Das Glas dürfe nicht immer nur als halb leer betrachtet werden. Dabei nahm er ausdrücklich auch die Bundesregierung und sich selbst in die Verantwortung.
Besorgt zeigte er sich über den zunehmenden Respektverlust gegenüber Menschen, die Verantwortung für das Gemeinwesen übernehmen. Neben Lehrkräften nannte er insbesondere Polizistinnen und Polizisten sowie Rettungskräfte. In diesem Zusammenhang sprach er sich auch für ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für alle jungen Menschen aus. Dies könne dazu beitragen, Verständnis für andere Lebenswirklichkeiten zu entwickeln und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Zum Ende des Austauschs bedankten sich die Vertreterinnen und Vertreter des VBE Bezirksverbands Detmold bei Dr. Carsten Linnemann für das offene Gespräch und die Bereitschaft, sich Zeit für die Anliegen der Lehrkräfte zu nehmen.
„Toll, dass die Arbeit unserer Bildungsgewerkschaft auch von der Bundespolitik wahrgenommen wird“, zog Maren Dürrfeld ein positives Fazit. Der Austausch habe gezeigt, wie wichtig der direkte Dialog zwischen Bildungspraxis und Politik sei – gerade in Zeiten, in denen die Herausforderungen für Schulen stetig wachsen.
Text: Thorsten Franz
Bild: Thorsten Franz | VBE OWL
Starke Bildung. Starke Menschen.
