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Zum Deutschen Schulbarometer

VBE: Lehrkräfte haben ein Recht auf gute Arbeitsbedingungen

22.06.2026

Die aktuelle Veröffentlichung des Deutschen Schulbarometers zeigt mehr als deutlich, dass Schulen noch wesentlich mehr Unterstützung benötigen, als von der Politik angenommen. „Immer mehr Aufgaben, die Schulen erledigen sollen, immer mehr Erwartungen, was Lehrkräfte leisten müssen. Das funktioniert nur mit guten Rahmenbedingungen, einer angemessenen Personalausstattung und ausreichend Zeitressourcen für das, was in Schule am wichtigsten ist: die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern“, erklärt Anne Deimel, Vorsitzende des VBE NRW.

Aktuelle Herausforderungen
Größte Herausforderung ist das Verhalten der Schülerinnen und Schüler: 46 Prozent der Lehrkräfte nennen es als zentrale Belastung. Der Wert ist seit 2024 deutlich gestiegen.

„Das Verhalten der Schülerinnen und Schüler im Unterricht zeigt sehr deutlich, dass sich in Schule gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln. Solidarisches Handeln hat es aktuell in unserer Gesellschaft nicht leicht. Für viele Familien steht allein ihre eigene Situation im Fokus. Kinder und Jugendliche sind zu oft auf sich alleine gestellt, ihnen fehlen die Vorbilder für empathisches Denken. Hinzu kommt, dass sich gesamtgesellschaftlich immer mehr die gefühlte Meinung verbreitet, dass die Zukunft für junge Menschen ungewiss ist. Schwierigkeiten in der Wirtschaft, Kriege, Armutsgefährdung und ungewisse Altersabsicherungen verunsichern junge Menschen und lösen Ängste aus. Es ist die gemeinsame Aufgabe von Familien und Schule, die Sorgen der Schülerinnen und Schüler ernst zu nehmen. Da Lehrkräfte dies allein nicht leisten können, ist der Ausbau der multiprofessionellen Teams an allen Schulen ein unbedingtes Muss, ein besonderer Fokus sollte hierbei auch auf dem weiteren Ausbau der Schulsozialarbeit liegen“, fordert die Landesvorsitzende des VBE NRW.

Demokratiebildung und politische Neutralität in der Schule
Rund die Hälfte der Lehrkräfte sieht mehr Handlungsbedarf bei Demokratiebildung. Gleichzeitig besteht Unsicherheit: 27 Prozent glauben, sie dürften ihre eigene politische Meinung im Unterricht grundsätzlich nicht äußern.

Demokratiebildung ist eine der wichtigen Querschnittsaufgaben von Schule. In einer Zeit, in der rechtsextreme Parteien immer mehr an Zustimmung gewinnen und versuchen, das Lehren und Lernen in den Schulen in ihrem Sinne zu beeinflussen, brauchen alle Beschäftigten Rückendeckung und Unterstützung, damit sie als Vorbilder durchgehend Haltung für unsere freiheitlich demokratische Grundordnung zeigen können. Regelmäßige Unterrichtsinhalte zur Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung, die das Erfahren von Selbstwirksamkeit ermöglichen, sind zu fördern.

Anne Deimel, Vorsitzende des VBE NRW

Künstliche Intelligenz
KI wird zunehmend Teil des Schulalltags: 52 Prozent der Lehrkräfte nutzen KI inzwischen mindestens mehrmals im Monat. Gleichzeitig sehen ebenfalls 52 Prozent Fortbildungsbedarf im Umgang mit KI.

„In den Schulen in NRW nimmt KI immer mehr Raum ein. Die Entwicklung ist rasant, beispielsweise benötigen Hausaufgaben neue Formen und die Prüfungskultur verändert sich. Regelmäßige Fortbildungen müssen angeboten werden, um Lehrkräften Sicherheit zu geben. Um die Medienkonzepte der Schulen jeweils aktuell anzupassen und aktiv umsetzen zu können, müssen jedoch erst einmal die Voraussetzungen flächendeckend geschaffen werden: sichere und ausreichend starke WLAN-Netze, sichere und datenschutzkonforme KI-Werkzeuge und digitale Endgeräte für alle Beschäftigte“, stellt Anne Deimel fest.

Heterogenität und Inklusion
Heterogenität bleibt eine zentrale Herausforderung: 34 Prozent nennen sie als eine der größten Belastungen. Zudem bewerten 52 Prozent inklusive Beschulung weiterhin nicht für alle Schülerinnen als gewinnbringend. Dazu erklärt die Vorsitzende des VBE NRW:

„Die Lerngruppen in NRW sind zu groß, die vorhandene Heterogenität erfordert durchgehende Differenzierungen. Beide Aspekte fordern die Lehrkräfte unglaublich heraus, täglich gibt es neue Schwierigkeiten zu meistern. Das führt immer mehr Lehrkräfte in die Überforderung und leider oft auch in Erkrankungen. In einer solchen Situation wird das gemeinsame Lernen von Kindern und Jugendlichen ohne und mit Behinderung als zusätzliche Belastung wahrgenommen, vor allen Dingen, wenn das Gefühl vorherrscht, ihnen nicht allen gerecht werden zu können.

Hier zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Schulen unter angemessenen Rahmenbedingungen arbeiten können. Multiprofessionelle Teams müssen Standard werden, ebenso wie eine Doppelbesetzung in inklusiven Lerngruppen, wobei ein Teil des Teams eine Sonderpädagogin, bzw. ein Sonderpädagoge sein sollte. Stimmen die Rahmenbedingungen, profitieren alle Schülerinnen und Schüler und die Beschäftigten.“

Berufliche Zufriedenheit und Belastungserleben
Trotz hoher Berufszufriedenheit bleibt die Lage angespannt: 83 Prozent sind zufrieden, aber 28 Prozent würden den Beruf wechseln, wenn sich eine Alternative böte.

„Die Erwartungen an die Beschäftigten sind zu hoch und damit steigen die Belastungen, bis sie kaum noch zu tragen sind. Schulen benötigen beste Arbeitsbedingungen für ihre gesellschaftlich extrem wichtige Aufgabe. Zeit ist der entscheidende Faktor für einen erfüllenden Beruf, vor allen Dingen Zeit für die Schülerinnen und Schüler“, erklärt Anne Deimel abschließend.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE NRW) hat die Petition „Bildung braucht Zeit! – Fokus Schule.“ gestartet und ruft alle Menschen in Nordrhein-Westfalen zur Beteiligung auf. Mit der Petition fordert der VBE NRW im Rahmen seiner Kampagne „Dauerbaustelle Bildung“ die Landesregierung Nordrhein-Westfalen auf, einen verbindlichen Maßnahmenplan vorzulegen, der die Lern- und Arbeitsbedingungen an Schulen verbessert.

Die Daten des Deutschen Schulbarometers erhalten Sie hier.

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