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Ganztagsanspruch wird Thema im Landtag. VBE: Es braucht verbindliche Qualitätsstandards

Düsseldorf, 28.01.2026. Der nordrhein-westfälische Landtag diskutiert heute in einer Aktuellen Stunde über den ab Sommer geltenden Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung für Erstklässlerinnen und Erstklässler. Hintergrund ist eine forsa-Umfrage im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), wonach rund ein Drittel der Grundschulleitungen den Anspruch bis 2026/27 für nicht umsetzbar hält, vor allem wegen fehlender Räume und fehlenden Fachpersonals. Dazu erklärt Anne Deimel, Vorsitzende des VBE NRW:

Dass der Landtag sich nun mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung befasst, ist richtig und notwendig. Wer den Anspruch ernst meint, muss jetzt für ausreichend Personal, Räume und verbindliche Qualitätsstandards sorgen – ein Rechtsanspruch ohne ausreichende Ressourcen hilft nicht. Es ist bedauerlich, dass bislang kein Ausführungsgesetz zentrale Qualitätsfragen beantwortet und verbindlich regelt – etwa zum benötigten Platz für jedes Kind.

Anne Deimel, Vorsitzende des VBE NRW

Gute Ganztagsbildung braucht klare Standards

Der VBE NRW macht deutlich: Der Ganztag darf nicht auf reine Betreuung reduziert werden. Ein polizeiliches Führungszeugnis als Qualifikation für die Arbeit mit Kindern im Ganztag reicht nicht aus. Kinder brauchen verlässliche Lern- und Lebensorte, die Bildungsgerechtigkeit fördern und Familien wirklich entlasten.

Dafür sind aus Sicht des VBE zentrale Voraussetzungen nötig:

Lern- und Lebensräume: mindestens 5 Quadratmeter pro Kind

Ganztag braucht Platz – nicht nur irgendwie, sondern kindgerecht. Schulen benötigen Räume als Erfahrungs- und Lebensräume, multifunktional eingerichtet und pädagogisch nutzbar. Auch Ganztagsmitarbeitende brauchen Team- und Rückzugsräume.

Zeit für Kinder: maximal 15 Kinder pro Gruppe

Kinder brauchen Beziehung, Ruhe und Aufmerksamkeit. Das ist nur möglich, wenn Gruppen nicht größer als 15 Kinder sind.

Individuelle Förderung als Kern des Ganztags

Ganztagszeit muss genutzt werden, um Kinder gezielt zu stärken – in Kleingruppen und in Eins-zu-eins-Situationen. Dafür braucht es feste Zeitfenster und Personal.

Pro Gruppe eine Fachkraft plus Ergänzungskraft

Jede Gruppe muss von qualifizierten Fachkräften begleitet werden. Bildungsgerechtigkeit entsteht nur durch professionelle Förderung – nicht durch Improvisation.

VBE: Anspruch braucht Umsetzungskraft

„Ganztag kann ein großer Gewinn für alle sein – für die Kinder, ihre Familien, die Beschäftigten in den Schulen und die gesamte Gesellschaft“, so Anne Deimel abschließend. „Aber dafür müssen Land und Kommunen jetzt die Voraussetzungen schaffen.“

Starke Bildung. Starke Menschen.

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