50 Jahre VBE NRW: Interview mit Ursula Terhardt

15.09.2021

50 Jahre VBE

14.09.21, Schule heute-Interview mit Ursula Terhardt, Ehrenmitglied VBE NRW e. V.

Ursula TerhardtZitat: „Freundschaften bis heute, Zusammenhalt, Gemeinschaft, Hartnäckigkeit, ein starkes Auftreten.“

Schule heute: Frau Terhardt, als Ehrenmitglied des VBE NRW können Sie auf ein langjähriges Engagement zurückblicken – wie Sie sind Sie zum VBE gekommen?

Ursula Terhardt: Das kann man wohl sagen … 1954 war ich Studentin an der katholischen pädagogischen Akademie in Köln und dort wurde man dann Volksschullehrerin. Hier wurden wir Studentinnen und Studenten aufgefordert, dem Kölner Kreis beizutreten. Bis dahin gab es nur den starken Katholischen Lehrerinnenverein und den Verband der Katholischen Lehrerschaft, der ursprünglich nur Männer aufnahm. Der Kölner Kreis wollte dies überwinden, sich beiden Verbänden zugehörig fühlen.
Ca. zwei bis drei Jahre später löste dieser sich dann auf und wir mussten uns entscheiden, ob wir nun dem Katholischen Lehrerinnenverein oder dem Katholischen Lehrerverband beitreten wollten. Der Katholische Lehrerverband (VKLD) nahm neuerdings auch Frauen auf, ich wurde Mitglied im heutigen VBE, denn ich wollte etwas für die Frauen tun. Und ich war der Meinung, für Frauen erreicht man eher was mit den Männern und nicht gegen sie.

Sh: Wie haben Sie die Zeit miterlebt, in der die Volksschule umgewandelt wurde in Grund- und Hauptschule?

Terhardt: Ich wurde 1967 Rektorin an einer katholischen Mädchen-Volkschule in Köln und wir wurden dann, die Diskussion für den Wandel war schon in vollem Gange, in andere Kollegien geschickt, um für die Trennung von Grundund Hauptschule zu werben. Ich wollte eigentlich gerne Rektorin einer Hauptschule werden, aber mein Schulrat erklärte, diese Stellen bekämen die Männer, die Frauen gehen in die Grundschule. Mit dem Ende der Volksschule 1968 und dem Beginn von Grundschule, Hauptschule, Gesamtschule, kam ich schließlich als Rektorin an die Grundschule, an der ich vorher schon zehn Jahre als Lehrerin gewesen war.
Der damalige Kultusminister lud erstmalig ein, dass der VBE und die GEW je einen Vertreter oder eine Vertreterin in die Lehrplankommission schicken könnten – für die Hauptschulen lagen die neuen Richtlinien und Lehrpläne fertig vor, für die Grundschulen noch nicht. Ich wurde als Vertreterin des VBE in die Lehrplankommission für Grundschulen beim Kultusministerium berufen, was mir sehr viel Freude gemacht hat. Wir haben dort viel diskutiert und gestaltet und ein Jahr ausprobiert in Versuchsgrundschulen, z. B., wie viele verschiedene Fachlehrer ein Grundschulkind in der Klasse erträgt. Ich hatte dabei den Vorteil, dass ich direkt aus der Praxis berichten und Rückmeldung geben konnte.

Sh: Wie hat der VBE diese Zeit noch mitbegleitet?

Terhardt: Nun, der Staat machte nichts, wir im VBE hingegen wurden aktiv und organisierten große Veranstaltungen und Workshops für die neuen Grundschullehrer und -lehrerinnen zunächst hier in Köln und Umgebung. Jeder nahm das vom VBE gut gestaltete Infomaterial mit nach Hause und das brachte dem VBE guten Zulauf an Mitgliedern.
1971 wurde ich dann Schulrätin, wodurch wir als VBE die Möglichkeit hatten, noch mehr zu unternehmen, mit aller Kraft für die Grundschulen. In dieser Zeit lernte ich auch den Schulkindergarten kennen. Diesen gab es bisher nur in den Kindergärten für vom Schulbesuch zurückgestellte Kinder. Der Staat war jedoch der Meinung, diese wären besser in der Schule aufgehoben, schaffte die Schulkindergärten ab, machte aber keinen Plan, wie es weitergehen kann. Den machte dann der VBE zusammen mit Grete Ulischberger. Uns gelang es schließlich auch, Erzieherinnen als Mitglieder zu gewinnen und so reiste ich durch die verschiedenen Städte und sprach auf vom VBE organisierten Veranstaltungen über die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule sowie über das Thema Schulsozialarbeit, welches auch mein Steckenpferd innerhalb des VBE wurde.
Als Schulrätin war es mir ein besonderes Anliegen, Frauen für Beförderungsstellen anzusprechen, sie zu ermuntern und zu ermutigen, sie später dann auch zu unterstützen. Zum Glück war ich erfolgreich. Heute ist vieles selbstverständlich, aber es hat teilweise ewig gedauert, die Dinge auf den Weg zu bringen.

Sh: Welche Erinnerung verbinden Sie ganz besonders mit dem VBE?

Terhardt: Besonders natürlich meine Wahl zur stellv. Vorsitzenden auf der Vertreterversammlung 1963, bei der ich als Vertreterin des Rheinlands Mitglied war und völlig unvorhergesehen zur stellv. Vorsitzenden des VBE gewählt wurde. Dieses Amt habe ich bis 1984 ausgeführt. Zwischendurch
hatte ich noch ein zusätzliches Amt für den VBE inne – ich war Mitglied im Vorstand des DBB NRW.
Dies habe ich für ca. 15 Jahre ausgeführt, ganz im Anfang bestanden die Hauptversammlungen des DBB NRW aus 70 Männern und mir als einziger Frau, erst später kamen immer mehr Frauen hinzu.
Ich erinnere mich auch gerne an schöne vom VBE organisierte Urlaubsreisen, auf denen man Kolleginnen und Kollegen gut kennen und schätzen lernte. Insgesamt habe ich im Laufe meiner Zugehörigkeit zum VBE tatkräftige Unterstützung, Ermutigung und Ermunterung durch Kolleginnen
und Kollegen erfahren, was mir sehr gutgetan hat und mir den Rücken gestärkt hat.

Sh: Was macht den VBE aus?

Terhardt: Freundschaften bis heute, Zusammenhalt, Gemeinschaft, Hartnäckigkeit, ein starkes Auftreten.

Sh: Was wünschen Sie dem VBE für die nächsten 50 Jahre?

Terhardt: Ich wünsche dem VBE Wachstum und weiterhin die Stärke, tatkräftig für die Bildungspolitik einzustehen und vor allem Kinder im Blick zu haben.

Sh: Vielen Dank für das Interview.

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