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NRW-Ergebnisse der DKLK-Studie 2026

VBE: Guter Schulstart braucht Zusammenarbeit

Kitaleitungen sehen großen Handlungsbedarf beim Übergang zur Grundschule (13.04.2026)

Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist einer der entscheidenden Schritte in der Bildungsbiografie von Kindern. Die aktuelle DKLK-Studie 2026 zeigt jedoch: Die Zusammenarbeit zwischen Kindertageseinrichtungen und den Schulen der Primarstufe findet in NRW vielerorts nur eingeschränkt statt. In rund 59 Prozent der befragten Einrichtungen erfolgt der Austausch ein- bis zweimal jährlich. Eine häufigere Zusammenarbeit, etwa in monatlichen Abständen, ist selten.

Dies liegt keineswegs an einer mangelnden Bereitschaft – im Gegenteil wünschen sich Kitaleitungen mehr gemeinsame Aktivitäten, regelmäßige Austauschformate sowie verbindliche Strukturen für die Zusammenarbeit.

Als größtes Hindernis für gelingende Kooperationen nennen mehr als 80 Prozent der befragten Kitaleitungen fehlende Zeit- und Personalkapazitäten.

Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist eine entscheidende Phase. Hier zeigen sich große Unterschiede in den verschiedenen Entwicklungsbereichen der Kinder. Wenn wir Chancengerechtigkeit wirklich wollen, müssen Kitas und Schulen endlich genug Zeit und Personal bekommen, um besser zusammenarbeiten und individueller fördern zu können. Sowohl an Zeit als auch an Personal mangelt es in NRW bislang deutlich.

Anne Deimel, Landesvorsitzende der VBE

Für 60,4 Prozent der befragten Kitaleitungen in NRW stellen sozial-emotionale Kompetenzen mit Blick auf einen gelingenden Schulstart den wichtigsten Entwicklungs- und Bildungsbereich im letzten Kitajahr dar. Dementsprechend legen sie hierbei ein besonderes Augenmerk auf die Förderung der Kooperations- und Konfliktfähigkeit, der Selbstregulation und des Empathievermögens. Am zweitwichtigsten (23,1 %) ist der Bereich „Sprachliche Bildung und Literacy“ (Wortschatz, Erzählfähigkeit, phonologische Bewusstheit, frühes Schriftverständnis).

Hierzu Anne Deimel: „Kitaleitungen ist es bewusst, wie wichtig es für eine erfolgreiche Bildungsbiografie von Kindern ist, starke Menschen zu werden, die über notwendige Soft Skills verfügen. Persönliche und soziale Kompetenzen, Kooperations- und Kommunikationsfähigkeiten als auch Empathievermögen bilden in den Kitas die Basis für die alltagsintegrierte Sprachförderung. Kindgemäßes Lernen heißt ganzheitliches Lernen.“

Als Gelingensbedingungen der Zusammenarbeit mit Schulen werden besonders die gegenseitige Anerkennung der jeweiligen Fachlichkeit (83,2 %), regelmäßige feste Austauschtermine (71,5 %), eine transparente Kommunikation zu Zielen und Erwartungen (69 %) und zeitliche und organisatorische Ressourcen (58,7 %) genannt.

Hohe Motivation trotz großer Arbeitsbelastung

Gleichzeitig macht die Studie deutlich, unter welchen Rahmenbedingungen Kitaleitungen arbeiten. Viele von ihnen investieren deutlich mehr Zeit in Leitungsaufgaben, als vertraglich vorgesehen ist. Über 80 Prozent geben an, mehr als 60 Prozent ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben aufzuwenden. Vertraglich zur Verfügung steht dieser Umfang jedoch nur einem Teil der Befragten (59 %).

Bedenklich stimmt, dass 93,3 Prozent der befragten Kitaleitungen davon überzeugt sind, dass die hohe Arbeitsbelastung im System zu höheren Fehlzeiten und Krankschreibungen führt.

Hinzu kommt, dass es schwieriger geworden ist, offene Stellen mit passenden Bewerberinnen und Bewerbern zu besetzen (63,8 %).

Die Überlastung des Kitasystems ist unübersehbar und erfordert dringend Maßnahmen der Landesregierung. Gute Bildung und Chancengerechtigkeit bleiben ohne ausreichende Leitungszeit und genügend qualifiziertes Personal leere Phrasen, die der großen Bedeutung der frühkindlichen Bildung in keiner Weise gerecht werden.

Anne Deimel

Trotz der hohen Belastung ist die Motivation der befragten Kitaleitungen hoch: Mehr als 85 Prozent geben an, ihre Leitungsaufgabe gerne auszuüben, obwohl sich viele in ihrer Arbeit gesellschaftlich nicht ausreichend wertgeschätzt fühlen (68,7 %).

„Die Kitaleitungen wollen gute Bildung ermöglichen – doch dafür brauchen sie auch die nötigen strukturellen Voraussetzungen und entsprechende Rahmenbedingungen“, führt Deimel aus.

Übergangsmanagement Kita – Primarstufe in der geplanten Einführung von „ABC-Klassen“ nicht mitgedacht

Die Landesregierung hat für Kinder, die 2029 eingeschult werden, eine vorschulische Förderung angekündigt. Im Jahr vor dem Schulstart sollen Kinder, deren sprachliche Kompetenzen für eine erfolgreiche Mitarbeit in der Grundschule nicht ausreichen, zweimal zwei Stunden in der Woche gefördert werden.

Anne Deimel: „Der Gedanke ist vom Grundsatz her richtig, die Umsetzung hat jedoch viele Haken. Besonders schwierig ist es, dass eine gute Kooperation von Kita und Primarstufe nicht mitgedacht wurde. Die vorschulische Förderung liegt allein bei den Grundschulen. Bildung muss jedoch ganzheitlich gedacht werden. Einerseits im Hinblick auf die Kinder, andererseits bezogen auf Kita und Schule. Beide gemeinsam sind verantwortlich für den Bildungserfolg der Kinder und können nur miteinander mehr Bildungsgerechtigkeit herstellen. – Wenn wir wollen, dass Kinder gut in der Schule starten können, müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Kita und Grundschule endlich strukturell stärken.“

Forderungen des VBE NRW

Der Verband Bildung und Erziehung NRW fordert:

  • Vorschulische Förderung muss ganzheitlich erfolgen und in gemeinsamer Verantwortung von Kita und Schule gestaltet werden.
  • Verbindliche und ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen müssen für den Übergang zur Verfügung gestellt werden.
  • Kitaleitungen benötigen eine verlässliche und ausreichende Leitungszeit.
  • Fachkräfte müssen gewonnen werden, u.a. durch bessere Arbeitsbedingungen.

An der DKLK-Studie 2026 haben 972 Kitaleitungen aus Nordrhein-Westfalen teilgenommen.

Wir stellen Ihnen die Auswertung der Daten für NRW hier als PDF zur Verfügung.

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