Debatte im Schulausschuss zu ABC-Klassen
22.04.2026
Anlässlich der heutigen Beratung im Schulausschuss des Landtags zur vorschu-lischen Förderung (ABC-Klassen) bekräftigt der Verband Bildung und Erzie-hung (VBE NRW) seine kritische Haltung.
„Sprache ist eine Schlüsselkompetenz für die schulische Bildung. Daher ist es richtig und notwendig, dass Kinder frühzeitig gefördert werden sollen. Der vorliegende Ansatz greift jedoch zu kurz, weil die pädagogischen Anforderun-gen und die Realität an den Schulen nicht ausreichend berücksichtigt werden“, erklärt Anne Deimel.
Förderung ja, aber nicht isoliert
Der VBE unterstützt seit Jahren das Ziel, den Übergang von der Kita in die Grundschule zu stärken. Entscheidend ist jedoch die konkrete Ausgestaltung der Förderung. „Kinder lernen ganzheitlich – mit Kopf, Herz und Hand. Eine einseitige Fokussierung auf Sprache reicht nicht aus. Auch soziale, motorische und mathematische Kompetenzen müssen mitgedacht werden“, so Deimel.
Zusätzliche Aufgabe in Zeiten des Personalmangels
Kritisch sieht der VBE NRW weiterhin die anvisierte Umsetzung. „Es reicht nicht, Stellen für Lehrkräfte zu schaffen. Die geplante vorschulische Förde-
rung gehört aus Sicht des VBE NRW in das originäre Aufgabenfeld der sozialpädagogischen Fachkräfte in der Schuleingangsphase. Das bedeutet, dass es ebenso zusätzliche Stellen für diese Profession geben muss“, betont Anne Deimel.
Zudem stellt das Vorhaben die Schulen organisatorisch vor erhebliche Herausforderungen, etwa bei Räumen, Koordination und Umsetzung.
Zusammenarbeit von Kita und Schule stärken
Ein weiterer Kritikpunkt ist die fehlende systematische Einbindung der Kitas. Der Übergang von der Kita in die Primarstufe gehört aus Sicht des VBE NRW in die gemeinsame Verantwortung beider Institutionen. Eine vorschulische Förderung allein in den Bereich der Grundschulen zu legen, wird dieser wichtigen und großen Aufgabe nicht gerecht und verkennt, dass Kinder verlässliche Beziehungen und Bindungen benö-tigen, um zu lernen.
Orte der Förderung
„Es kann nicht die alleinige Aufgabe der Schulleitungen sein, die Räumlichkeiten für die Durchführung der vorschulischen Förderung zu organisieren. Den Schulleitungen der Grundschulen wird hier ein weite-rer Aufgabenbereich zugeschrieben, der – je nach Anzahl der zu fördernden Kinder – viele Arbeitsstunden in Anspruch nehmen wird. Schulleitungen zu entlasten, sieht anders aus“, erklärt Deimel.
Außerdem hält der VBE NRW an seiner Kritik fest, Kinder aus ihrem sozialen Gefüge der Kita zu nehmen, um sie mit anderen Kindern und einer unbekannten Begleitperson an einen fremden Ort zur Förderung zu fahren.
Gefahr von Stigmatisierung
Auch die geplante ausschließliche Förderung von Kindern, die noch nicht über ausreichend Sprachkompe-tenzen verfügen, bewertet der VBE NRW kritisch.
„Frühzeitige Kategorisierung widerspricht einem inklusiven Bildungsverständnis. Kinder entwickeln sich unterschiedlich und brauchen flexible Förderstrukturen“, erklärt die Landesvorsitzende des VBE NRW.
Außerdem weist der VBE NRW darauf hin, dass es für Kinder eine Stigmatisierung bedeutet, wenn sie re-gelmäßig mit einem Bus von ihrer Kita abgeholt werden, da ihnen attestiert wurde, dass ihre Kompeten-zen für einen Schulbesuch nicht ausreichen. Ein glücklicher Beginn der schulischen Bildung sieht anders aus.
ABC-Plus
Schulleitungen sollen bei der Schulanmeldung vor dem eigentlichen Schulbeginn entscheiden, dass ein Kind drei Jahre in der Schuleingangsphase verbleibt. „Eine Schulleitung braucht fast hellseherische Fähig-keiten, wenn sie 1,5 Jahre vor dem Schulbeginn entscheiden soll, welches Kind drei Jahre für die Lern-ziele der Schuleingangsphase benötigt. Es wird vollkommen außer Acht gelassen, welche Entwicklungs-schritte ein Kind in diesem Zeitraum noch gehen kann“, kritisiert Anne Deimel.
Praxis ernst nehmen
Der VBE NRW appelliert an die Landespolitik, die Hinweise aus der Praxis ernst zu nehmen und die Pla-nung nachzubessern. „Das Ziel, mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen, teilen wir ausdrücklich. Dafür braucht es jedoch eine tragfähige, durchdachte und ausreichend ausgestattete Umsetzung“, so Deimel.
Die ausführliche Stellungnahme des VBE lesen Sie hier.
Starke Bildung. Starke Menschen.
