Petition Grundschule - Ergebnis

24.04.2017

19.451 Unterschriften an Ministerin übergeben
Der VBE bedankt sich bei allen, die sich beteiligt haben!

Petition Grundschule

Online–Petition des VBE NRW
Die Unterschriften mit offenem Brief* und Kommentaren von Lehrkräften** wurden an die Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen Frau Yvonne Gebauer (3. vl) und Staatssekretär Mathias Richter (4. vl) vom Vorsitzenden des VBE NRW Stefan Behlau (2. vl) und den stellvertretenden Vorsitzenden Anne Deimel (2. vr), Wibke Poth (l) und Matthias Kürten (r) am 24.04.18 übergeben.

Petition GS

Foto: VBE NRW

Pressemitteilung des VBE: Es ist fünf nach zwölf


*Offener Brief:

Sehr geehrte Frau Ministerin, 

vor sechs Monaten hat der VBE NRW einen offenen Brief an Sie geschrieben, als Folge Ihrer Reaktion auf das Abschneiden der Schülerinnen und Schüler in den Grundschulen in NRW bei der IQB-Studie.

Dieser Brief hat viel Aufsehen erregt, so dass der VBE NRW eine Online-Petition für bessere Rahmenbedingungen und mehr Wertschätzung für Grundschullehrkräfte gestartet hat.
19.451 Unterstützer haben diese Online-Petition unterschrieben. Noch entscheidender, als die Anzahl der Unterstützer, sind für uns im VBE NRW die Gründe der Unterzeichner.

Der VBE NRW hat offenbar einen Nerv in den Lehrerzimmern von NRW getroffen.

Über viele Jahre sind den Grundschulkollegien immer mehr Aufgaben gegeben worden ohne für die entsprechende Unterstützung zu sorgen.
Die Grundschule ist die Schulform für alle Kinder. Hiermit erfüllen die Lehrkräfte an den Grundschulen eine für die Gesamtgesellschaft wichtige Funktion. Kinder aus verschiedenen sozialen Umfeldern, aus verschiedenen Glaubensrichtungen und aus verschiedenen Ländern lernen nicht nur das elementare Wissen für ihre individuellen Bildungsgänge sondern auch, wie es möglich ist, dass unterschiedliche Menschen respektvoll und freundschaftlich miteinander leben.

Viele Lehrkräfte in den Grundschulen merken aber immer mehr, dass sie ihre Lern- und Lehrziele im Unterricht nicht mehr erreichen können. Sie benennen hierfür verschiedene Aspekte, z.B.: zu große Klassen für eine notwendige individuelle Förderung, das Alleingelassen Werden mit inklusiv und integrativ zu beschulenden Kindern, fehlende sächliche und räumliche Ausstattungen, Konzentrationsschwierigkeiten bei Kindern, fehlende Unterstützung durch die Eltern, fehlendes zusätzliches Personal und fehlende Lehrkräfte an den Grundschulen.

Öffentlich haben Sie einen Masterplan Grundschule angekündigt. Seitdem fragen sich die Lehrkräfte an den Grundschulen in NRW, wie dieser Masterplan aussehen wird.
Sie fragen sich, ob die für sie zuständige Ministerin inzwischen erkannt hat, dass es die Bedingungen an den Grundschulen sind, die eine Gesamtsituation haben entstehen lassen, die zu wenig Zeit für den täglichen Unterricht lässt.
Sie fragen sich, ob die für sie zuständige Ministerin inzwischen erkannt hat, dass es nicht die Methoden sind, die Lernergebnisse bei Tests schlechter ausfallen lassen. Denn es erscheint einfach, eine Methode für fehlende Rechtschreibkenntnisse verantwortlich zu machen. Wie kann man sich aber dann das auch nicht gute Abschneiden im Fach Mathematik erklären?
Sie fragen sich, ob die für sie zuständige Ministerin inzwischen erkannt hat, dass nicht gleichlange Studienzeiten und vergleichbare Studienabschlüsse den Wert (auch den finanziellen Wert) einer Arbeit ausmachen.

Der VBE NRW sieht die einzelne hochmotivierte Lehrkraft an der einzelnen Grundschule. Eine Lehrkraft, die um jedes Kind ringt. Denn die Bildung in den Grundschulen schafft ein wichtiges Fundament.
Für jedes einzelne Kind.
Für unsere Gesellschaft.
Für die Zukunft unseres Bundeslandes NRW.

Sehr geehrte Frau Gebauer,
setzen Sie einen Masterplan Grundschule um, der die Wertschätzung der Arbeit der Grundschullehrkräfte im Fokus hat. Beginnen Sie bei den Rahmenbedingungen. Die Grundschule in NRW ist bundesweit die Schulform, in die die wenigsten finanziellen Mittel fließen.

Die Lehrkräfte werden es deutlich wahrnehmen und alle Schülerinnen und Schüler werden sich mit guten Leistungen bedanken.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Behlau
Vorsitzender

Anne Deimel
stellv. Vorsitzende

 

**Kommentare von Lehrkräften:

  • Alle Grundschullehrer, die ich kenne, sind trotz zunehmender Überforderung maximal einsatzbereit und machen ihre Arbeit (ich benutze bewusst nicht das Wort "Job"!) so gut, wie sie es bei den gegebenen Bedingungen können. Wir kämen alle einer guten Lösung näher, wenn sich die Verantwortlichen in den Ministerien endlich einmal mit den wirklichen Gegebenheiten -auch in unserer Gesellschaft auseinandersetzen würden!

  • Weil der vorangegangene Brandbrief mir aus tiefster Seele spricht!

  • Ich unterstütze die Aussagen und Forderungen des VBE in allen Teilen! Seit über 25 Jahren bin ich als Grundschullehrerin tätig -und zwar mit Leib und Seele. Ich stelle allerdings fest, dass mich genau das immer stärker an die eigene Belastungsgrenze bringt. Der Hauptbestandteil des Unterrichts besteht leider oft vorrangig nicht darin, zu unterrichten, sondern den Boden dafür zu bereiten, dass Unterricht möglich ist.

  • Weil uns an den Grundschulen langsam die Luft ausgeht...

  • Meinen Lehrauftrag musste ich zu Gunsten meines Erziehungsauftrages radikal reduzieren.

  • Unsere Professionalität wird in Frage gestellt, dementsprechend sind wir auch die letzten die gefragt werden, wenn es um sinnvolle Rahmenbedingungen geht. Als hätten wir keine Ahnung von unserem Job und bräuchten mal ein paar pädagogische und didaktische Tipps.

  • Es sollte viel mehr ins Bewusstsein unserer Gesellschaft rücken, wie wichtig die Grundlage unserer Arbeit ist.

  • Genau wie in dem offenen Brief beschrieben sieht es an unseren Schulen aus.

  • Ich möchte wieder mit Freude an die Arbeit gehen.

  • Mittlerweile gibt es in der Schuleingangsphase immer mehr Kinder mit sozial-emotionalen Schwierigkeiten und immer mehr Kinder, die Konzentrationsprobleme haben, nicht zuhören können und kaum in der Lage sind, mehr als zwei einfache Aufträge hintereinander auszuführen. Da wünsche ich mir gezielte Hilfen durch pädagogische Fachkräfte oder solche anderer Professionen. In der Regel verstreichen zudem auch Wochen und oft Monate, bis Beratungs-oder Untersuchungstermine für Kinder mit massiven Problemen wahrgenommen werden können. In dieser Zeit binden diese Kinder, die absolut nichts dafür können, einen Großteil der Zeit und Aufmerksamkeit ihrer Lehrerinnen, die für viele andere Kinder dann nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht.

  • Als Konrektorin einer Grundschule in einem sozialen Brennpunkt bin ich jeden Tag direkt mit den Missständen konfrontiert. Die Kinder werden durch Vera und Co. getestet, von uns werden Rückmeldungen erwartet, aber als Hilfestellung kommt nichts. Wir sollen Vorschläge machen, die wir dann mit nicht vorhandenen Lehrkräften, zu großen Klassen, zu vielen Kinder ohne Deutschkenntnisse umsetzen sollen.

  • Viele engagierte Grundschullehrer gehen auf dem Zahnfleisch, weil sie mit der Vielzahl an Aufgaben und Anforderungen schlichtweg überfordert sind: immer größere Klassen mit immer schwierigeren und unkonzentrierterenKindern, die immer häufiger Gespräche mit Eltern, Therapeuten, Ärzten etc. erfordern.

  • Leider deutet die Reaktion von Frau Gebauer auf die IQB Studie nicht darauf hin, dass es ihre Priorität ist, den Grundschulen die nötigen Rahmenbedingungen hierfür zu schaffen. Ich habe die Hoffnung, dass die Petition dazu beiträgt, bei Frau Gebauer -und bei ihrer Partei generell -ein Umdenken zu erreichen.

  • Als Gymnasiallehrerin weiß ich, wie wichtig die Basis-Arbeit in der Grundschule ist. Wenn dort die Kinder nicht optimal gefördert werden, haben sie weniger Chancen im gesamten Bildungsweg. Ich habe großen Respekt vor der Leistung der Kolleginnen und Kollegen an den Grundschulen und möchte deshalb ihre Forderung unterstützen.

  • Ich selbst habe mich nach dem dritten Semester gegen das Lehramt an Grundschulen entschieden und schlage nun eine andere berufliche Richtung ein. Die Bedingungen sind mir zu schlecht.

  • Wir verwalten den Mangel und werden für alles verantwortlich gemacht. Die Bedingungen sind unerträglich geworden. Zu große Klassen, keine räumlichen Ausstattungen, um modernem Unterricht gerecht zu werden, viel zu kleiner Etat, dreckige und renovierungsbedürftige Schulen.

  • Von der Regierung fühle ich mich kritisiert statt unterstützt. Warum fragt niemand die Grundschullehrkräfte nach Notwendigkeiten? Es werden einfach ins Blaue hinein sinnlose Reformen losgetreten, allein für die Außenwirkung!

  • Ich liebe meinen Beruf, kann aber diesen Wahnsinn kaum noch aushalten. Wir haben am Vormittag mit 1 Stunde einen Hausmeister und an 2 Tagen der Woche eine Sekretärin aber nur 2 Entlastungsstunden für alle Aufgaben.

...

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