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Demographische Gewinne nutzen – Entwicklung eines Stufenplans Kleine Klassen
22.02.2011
Stellungnahme des VBE NRW zur Anhörung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung

Stellungnahme des VBE NRW zur Anhörung des Ausschusses für Schule und Weiterbildung am 16.03.2011 „Demographische Gewinne nutzen – Entwicklung eines Stufenplans Kleine Klassen“ , Antrag der Fraktion DIE LINKE, Drucksache 15/136 in Verbindung mit „Demografische Effekte nutzen – Unterrichtsqualität verbessern“, Entschließungsantrag der Fraktionen von SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Drucksache 15/184 Landtag NRW

Der VBE nimmt zu den Fragen wie folgt Stellung:

1. Gibt es eine optimale Klassengröße für guten Unterricht?
Es gibt in der Forschung wenig Hinweise darauf, dass sich der Unterricht in kleinen und großen Klassen nachhaltig unterscheidet (im Brahm 2006) . Die empirische Unterrichtsforschung kommt zu dem Ergebnis, dass die Qualität des Unterrichts insbesondere durch eine effektive Klassenführung sowie einen angemessenen Grad an Individualisierung und Differenzierung gefördert wird (Helmke 2003) . Eine kleine Klasse kann diesen Prozess  begünstigen.
Die auf vier Jahre angelegte amerikanische Student Teacher-Achievement-Ratio-Studie (1985-89), die die Effekte der Klassengröße auf die Schülerleistungen untersucht hat, belegt, dass Schüler in kleinen Klassen ( 13-17) in Mathematik und Lesen Leistungsvorsprünge gegenüber Schülern in regulären Klassen (22-25) erzielen konnten. Hartmut von Hentig hat sich zu diesem Thema wie folgt geäußert: „Die Schulklassengröße ist seit Jahren zu hoch für die quirligen heutigen Kinder und Jugendlichen und müsste bei gleichzeitiger Veränderung der Lehr- und Lernformen nicht auf 28, sondern auf 20 reduziert werden.“ (FR vom 10.10.2008).
Vor dem Hintergrund dieser wissenschaftlichen Studien fordert der VBE einen Stufenplan kleine Klassen mit einer schrittweisen Senkung der Klassenfrequenz an allen Schulformen.

2. Gibt es Modellrechnungen für die finanziellen Auswirkungen der Verkleinerung von Klassengrößen?
Dem VBE sind keine bekannt.

3. Was zeichnet guten Unterricht aus?
Guter Unterricht zeichnet sich durch Strukturiertheit, Klarheit bezüglich seiner Ziele, Methodenvielfalt, effiziente Zeitnutzung, Vernetzung von Lerninhalten sowie die gezielte und systematische Förderung des selbstständigen Lernens aus. Guter Unterricht verfolgt somit das Ziel, die Lehrerin/den Lehrer in der letzten Konsequenz überflüssig zu machen, weil er den Schülerinnen und Schülern das Rüstzeug für selbstständiges Lernen mitgibt. Dieses Rüstzeug besteht aus fachlichem Wissen, der Fähigkeit, dieses Wissen anzuwenden bzw. in die Lebenswirklichkeit außerhalb der Schule zu übertragen, Methodenkompetenz sowie sozialen Kompetenzen wie z.B. Teamfähigkeit. Guter Unterricht zeichnet sich darüber hinaus dadurch aus, dass er nicht auf die Lerngruppe als vermeintlich homogene Gruppe, sondern auf den einzelnen Schüler/die einzelne Schülerin hin konzipiert ist, indem er die unterschiedlichen Lernarten der einzelnen Schülerinnen und Schüler berücksichtigt und integriert. Er besteht aus einer gesunden Mischung aus Individualisierung und gemeinsamen Aktivitäten der Gruppe. Guter Unterricht verzichtet auf Belehrung, ersetzt diese aber nicht durch das Laissez-faire-Prinzip. Die jeweils gewählte Methode muss zum Ziel passen. So ist beispielsweise der Lehrervortrag nicht grundsätzlich eine schlechte Methode, sondern kann für die Erreichung eines bestimmten Ziels angemessen sein.

4. Welche Möglichkeiten zur Steigerung der Qualität im System Schule sehen Sie über die Verkleinerung der Klassen hinaus?
Die Qualität eines Schulsystems misst sich u. a. am Grad der Verwirklichung von Chancengleichheit. Wenn wissenschaftliche Studien wie PISA oder IGLU immer wieder belegen, dass in Deutschland sowohl der Kompetenzerwerb als auch die Verteilung der Kinder auf die Schulformen stark mit der sozialen Herkunft der Kinder korreliert, dann ist darin ein erheblicher Qualitätsmangel des Systems zu sehen. Dieser kann nur durch Veränderungen am System behoben werden. Dabei ist aber ausdrücklich zu betonen, dass es kein Entweder/Oder-Prinzip in dem Sinne gibt, dass man entweder an den äußeren Strukturen oder dem Innenleben der einzelnen Schule Veränderungen vornimmt. Innere und äußere Schulentwicklung sind vielmehr zwei Seiten einer Medaille und bedingen sich gegenseitig. Laut der ersten PISA-Studie ist „ein unerwünschter Nebeneffekt der frühen Verteilung auf institutionell getrennte Bildungsgänge die soziale Segregation von Schülerinnen und Schülern.“ (PISA 2000, S. 458). Diese kann nicht durch innere Schulentwicklung, sondern nur durch Veränderung am System behoben bzw. zumindest gemildert werden. Eine Veränderung des Systems muss aber wiederum mit Veränderungen im Inneren der Einzelschule einhergehen. So kann beispielsweise die Einrichtung des Ganztagsbetriebs Schule von innen verändern, indem sie mehr Zeit für das Lernen und gemeinsame Aktivitäten schafft. Gezielte Fortbildungen für Lehrkräfte können deren diagnostische und methodisch-didaktische Kompetenzen steigern.

5. Stellt für Sie der Einsatz verschiedener Professionen (wie z.B. Schulsozialarbeiter, Sozialpädagogen, Schulpsychologen etc.) im System Schule ein taugliches Mittel zur Qualitätssteigerung dar?
Verschiedene Professionen werden in der Schule in jedem Fall gebraucht. Psychologen können eine große Hilfe für Lehrkräfte sein, wenn es um das Diagnostizieren von Lernstörungen und deren Behebung geht. Sozialpädagogen sind beispielsweise im Bereich der familienergänzenden Maßnahmen, Kontakte zu außerschulischen Partnern (z. B. Jugendhilfe), der Streitschlichtung und/oder Gewaltprävention wichtig. Förderschullehrer sind für die Umsetzung des Inklusionsgebots unverzichtbar. Wenn die Qualität von Schule sich daran misst, dass sie nicht ausschließlich als Ort des fachlichen Lernens verstanden wird, muss der Einsatz der genannten Professionen als taugliches Mittel zur Qualitätssteigerung verstanden werden. Wie in jeder Firma, so sollte auch in jeder Schule ein multiprofessionelles Team eine Selbstverständlichkeit sein.

6. Wie kann das Instrument „Sozialindex“ weiter entwickelt werden, so dass es zu einer effektiven Qualitätsverbesserung in sozial schwachen Stadtteilen/Bildungsregionen beiträgt?
Die effektivste Methode der Qualitätsverbesserung wäre, so genannte „sozial schwache Kinder“ nicht unter sich zu lassen und die Entstehung von „Ghettoschulen“ zu vermeiden bzw. bereits bestehende aufzulösen. Ghettoisierung in Ballungsräumen lässt sich allerdings nicht mit bildungspolitischen Maßnahmen verhindern. Vielmehr müssten gezielt Maßnahmen zur Aufwertung von vernachlässigten Stadtteilen bzw. Quartieren ergriffen werden, damit z. B. das  im Ruhrgebiet stark verbreitete Nord-Süd-Gefälle in den Städten abgebaut werden kann. Solange es aber sozial benachteiligte Quartiere gibt, müssen die dort ansässigen Schulen mit zusätzlichem Personal besonders unterstützt werden.

7. Welche Qualitätsverbesserungen sollten durch frei werdende Ressourcen infolge des demografischen Wandels vorgenommen werden?
Zentrale Felder sind der weitere  bedarfsgerechte Aufbau von Ganztagsschulen und die Erweiterung der Lehrerkollegien zu multiprofessionellen Teams. Darüber hinaus zählen dazu ein Stufenplan für kleine Klassen, Anrechnungszeiten für besondere Aufgaben und mehr Leitungszeit für Schulleiterinnen und Schulleiter insbesondere an Grundschulen.

8. Was ist die wirkungsvollste Steuerung: eine lineare Absenkung der Klassenfrequenz oder eine dezentrale Ressourcensteuerung?
Die Frage ist nicht mit einem Entweder- Oder zu beantworten. Eine dezentrale Ressourcensteigerung kann effektiv sein, weil wenn sie gezielt auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Schulen hin konzipiert ist. Eine lineare Absenkung der Klassenfrequenzen ist aber genauso wichtig, weil z.B. die pädagogische Arbeit in Klassen mit 30 Kindern in einem öffentlichen Schulsystem nur wenig effektiv sein kann.

9. Welche weiteren zentralen Felder neben zusätzlichen Lehrerstellen sehen Sie, für die die Stellen aus rückläufigen Schülerzahlen genutzt werden können?
Vgl. Antworten auf die Fragen 4, 5 und 7

10. Kleinere Klassen allein führen nicht zu verbesserten Schülerleistungen, hierzu bedarf es auch damit einhergehender Veränderungen des Unterrichts; welche Veränderungen des Unterrichts sind aus Ihrer Sicht zwingend geboten, um bei kleineren Klasen in der Folge auch einen positiven Effekt bei den Schülerleistungen zu erzielen?
Vgl. Antworten auf Fragen 1, 4, 5

11. Erachten Sie es als problematisch und als eine Benachteiligung anderer Schulformen, wenn die so genannten Gemeinschaftsschulen automatisch besser gestellt werden, und nur, weil sie ideologisch gewollt sind, eine bessere Lehrerstellenausschreibung, kleinere Klassen, einen automatischen Ganztag sowie zusätzliche Fortbildungsmittel erhalten, die letztlich vermutlich auch aus den so genannten Demografiegewinnen bereitgestellt werden dürften?
Die folgende Antwort bezieht sich ausschließlich auf die Frage, ob für Modellversuche zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden sollten. Sie kommentiert damit nicht die Behauptung, die Gemeinschaftsschule sei „ideologisch gewollt“. Für einen Modellversuch sind zusätzliche Ressourcen angebracht. Deshalb ist es richtig, diese den neu entstehenden Gemeinschaftsschulen zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus ist die Gemeinschaftsschule u. a. eine Reaktion auf die demografische Entwicklung, weshalb es keinen Grund gibt, sie nicht von den demografischen Gewinnen profitieren zu lassen. Die für den Schulversuch vorgegebenen Bedingungen sollten allerdings Schritt für Schritt auch auf die anderen Schulformen übertragen werden.

12. Welche Rolle kann die Senkung der Klassenfrequenz auf die Qualität der Schule, auf die Schulentwicklung (Profil) sowie die Wohnortnähe haben?
Vgl. Antworten auf die Fragen 1 und 3 Eine Verkleinerung der Klassenfrequenz könnte kleine Grundschulen in Wohnortnähe erhalten.

13. Welche Verbesserung ist bei der individuellen Förderung durch die Senkung der Klassenfrequenz von derzeit durchschnittlich 28 Schülerinnen und Schülern erreichbar?
Eine Senkung der Klassenfrequenz führt allein rein rechnerisch zu mehr Zeit pro Schüler. Individuell zu fördern, bedeutet aber, den Unterricht in seiner Struktur auf dieses Ziel abzustellen. Vgl. dazu auch Antwort auf Frage 1

14. Welche methodischen Arrangements existieren, deren Einsatz nur mit einer Klassengröße kleiner als durchschnittlich 28 Schülerinnen und Schüler sinnvoll möglich bzw. vorgesehen ist?
Die Zahl 28 ist willkürlich gewählt. Es gibt keine methodischen Arrangements, die man an dieser Zahl festmachen könnte. Wie bereits zu Frage 13 ausgeführt, steht aber einer Lehrkraft rein rechnerisch umso mehr Zeit für die einzelne Schülerin bzw. den einzelnen Schüler zur Verfügung, je weniger Schüler sie zu betreuen hat.

22.02.2011

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